Montag, 14. Mai 2018

State Grid am Bau der Xingu-Stromtrasse gehindert

Der Bau der neuen Hochspannungsleitung von Belo Monte in den Süden Brasiliens kam bei den Fazendas von Daniel Dantas ins Stocken. Die Projektbetreiber der 2.526 Kilometer langen Trasse müssen sich mit dem Eigentümer der Bank Opportunity und der Fazendas der Agropecuária Santa Bárbara Xinguara einigen. Dantas erlaubt die Trassenführung durch seine Fazendas nicht.

Im Jahr 2008 verbüßte er kurze Haftstrafen, weil er in Korruptionsfälle involviert war. Heute verdient Dantas Milliarden Reais mit Viehzucht, Bergbau und dem Verkauf von Ländereien sowie mit Immobilien in Rio de Janeiro.

Der Rechtsstreit wird zwischen dem chinesischen Konzern State Grid, der Eigentümer der Xingu-Energie-Transportgesellschaft (XRTE) ist, und den landwirtschaftlichen Betrieben der Agropecuária Santa Bárbara Xinguara, die Dantas gehören, geführt. Der Widerstand und die Argemtation von Dantas führten dazu, dass der Oberste Gerichtshof (STJ) das auf 9,3 Milliarden Reais geschätzte Projekt stoppte. Die Überlandleitung ist von der Gemeinde Anapu (PA) nach Nova Iguaçu (RJ) geplant.

Die Ländereien von Dantas in der Region haben eine Größe von etwa 500.000 Hektar (= 5.000 qkm). Sie gaben immer wieder Anlass zu Landkonflikten und Invasionen von Landlosen. Teile davon wurden bereits durch Gerichtsbeschlüsse beschlagnahmt. Die Landpastoral (CPT) verteidigt die Kleinbauern und hat die Unrechtmäßigkeiten der Ländereien von Santa Barbara vor Gericht einige Male erfolgreich angefochten.

Diesmal geht es nicht um den Streit mit Kleinbauern, sondern mit dem Konzern State Grid. Dieser war der Meinung, dass die Erklärung der Nationalen Energieagentur (Aneel), die Trasse sei im öffentlichen Interesse, für den Bau genügen müsse. Doch Dantas verwehrte den Zutritt zu seinem Land. Durch eine Entscheidung des Regionalgerichts von Xinguara (PA) erhielt State Grid zunächst die Erlaubnis zum Bau. Santa Bárbara legte beim Gerichtshof von Pará Berufung ein und konnte die Entscheidung rückgängig machen. Schließlich ging XRTE zum Obersten Gerichtshof, bekam aber kein günstiges Urteil.

Die Trasse, die eine Breite von 120 Metern hat, führt durch "Holz- und Kakaoplantagen, die einen bedeutenden wirtschaftlichen Wert haben". Der Oberste Gerichtshof akzeptierte diese Argumentation. Das Gericht stimmte auch zu, dass die Genehmigung zur "Zerstörung dieser Plantagen, die für die Installation der Überlandleitungen notwendig sind, spätere gerichtliche Bewertungen ihres Wertes unmöglich machen."

Die Parteien sind um einen Vergleich bemüht. Dantas ersuchte um Änderung der Trasse, was nicht akzeptiert wurde. State Grid stellte fest, dass "vom Unternehmen benötigtes Land, wie immer es auch sein mag, zur Errichtung einer Verwaltungsdienstbarkeit im öffentlichen Interesse Vorrang hat gegenüber privaten Interessen". Das Unternehmen argumentiert auch, dass die Trassenführung "nach ökonomischen und sozio-ökologische Kriterien geplant wurde und auf Privilegien oder Interessen Privater nicht Rücksicht nehmen kann".

Der Bau der Überlandleitung begann im September letzten Jahres und wird voraussichtlich im Dezember 2019 abgeschlossen sein, wenn das Wasserkraftwerk Belo Monte zu 100 % Strom produziert. Der Rechtsstreit mit Dantas kam für die Chinesen jedoch überraschend.



Jornal do Brasil, 13.5.2018
Alta voltagem:
State Grid briga com Daniel Dantas por faixa de terra para linhão de Belo Monte
A construção do novo linhão de transmissão que pretende levar a energia de Belo Monte para o Rio de Janeiro está travada nas fazendas do banqueiro Daniel Dantas, no Pará. Com tensão recorde de 800 kVolt, a maior estrutura desse tipo já levantada no país, tem 2.526 quilômetros de extensão, e contaria quatro fazendas do dono do Banco Opportunity, que resiste na Justiça. Envolvido em casos de corrupção e preso brevemente em 2008, Dantas hoje ganha bilhões com pecuária, mineração e revenda de propriedades no Norte do país, além de investimentos imobiliários no Rio de Janeiro.


Estadão, 13.5.2018
Novo linhão de Belo Monte trava nas fazendas de Daniel Dantas, no Pará
Segunda linha de transmissão da hidrelétrica, a cargo da chinesa State Grid, tem prazo de conclusão previsto para dezembro de 2019, mas é alvo de disputa judicial porque seu traçado corta quatro propriedades do dono do banco Opportunity

Montag, 30. April 2018

Kommentar: Die Zeit der Wasserkraftwerke ist abgelaufen


Sérgio Guimarães und Joílson Costa schreiben in der Zeitung O Globo einen interessanten Kommentar über die Unrentabilität der großen Wasserkraftwerke in Amazonien und den Vormarsch der erneuerbaren Energie.

"Es ist Zeit, die großen Wasserkraftwerke aufzugeben"

In den vergangenen Wochen haben Beamte des Ministeriums für Bergbau und Energie erklärt, dass die brasilianische Regierung keinen Bau weiterer großer Staudämme vorsieht. Anscheinend erkennt man die veränderte Situation auf dem Energiesektor an. Sollte nämlich der noch staatliche Konzern Eletrobras privatisiert werden, hätte er große Probleme, Ressourcen für wirtschaftlich unrentable Projekte zu finden.

Noch am Vorabend des Karnevals wurde jedoch eine anderslautende Erklärung veröffentlicht. Obwohl einige Punkte darin richtig sind, wird letztlich behauptet, dass die Wasserenergie als die einzige vernünftige Alternative für Brasiliens Energiesektor in Frage kommt. Dabei könnte man über die Veränderungen auf dem Energiesektor froh sein, bestünde doch für Brasilien die Möglichkeit, die durch große Staudämme bedingten negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen nicht nochmals wiederholen zu müssen. Die größte Herausforderung besteht nämlich in der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien.

Die Preise für Solar- und Windenergie sind seit 2011 stark gefallen. Und sie werden weiter fallen, da die Technologie immer besser wird. Dem gegenüber sind die Charakteristika bei Wasserkraftwerke noch immer wie zu Zeiten der Militärs: Beton, Stahl, Bauverzögerungen und Kostenexplosion. Derzeit wird die Wettbewerbsfähigkeit von Wasserkraftwerken durch günstige Finanzierungsbedingungen und wegen der Unterschätzung ihrer sozioökologischen Auswirkungen künstlich ermöglicht.

Außerdem tragen die großen Wasserkraftwerke, die eigentlich nur in Amazonien, weit weg von den industriellen Zentren im Süden des Landes, möglich sind, nicht zur Sicherheit der Stromversorgung bei. Denn die Entfernungen von der Stromproduktion im Norden zu den Verbrauchszentren im Süden des Landes sind zu groß. Und durch die Veränderung des Klimas wird die Befüllung der Stauseen für die Kraftwerke immer unsicherer.

Ohne neue große Wasserkraftwerke, aber mit adäquaten Lösungen - wie Energieeffizienz, Ausbau von Solar- und Windenergie, regionaler (dezentraler) Stromerzeugung und Smart Grids sowie thermischer Biomasse und Erdgas in der Übergangsphase - sind die Sicherheit der Stromversorgung und ein günstiger Tarif möglich. Durch die neuen Wege der Stromproduktion würden die technologische Entwicklung gefördert und hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden, was Brasilien so sehr braucht. In Amazonien sind die Zeiten für neue Abenteuer vorbei.


O Globo, 28/04/2018
Hora de abandonar as grandes hidrelétricas
Há forte queda de preços de energia eólica e solar frente à hidrelétrica desde 2011. Preços que continuarão caindo à medida que elas incorporarem mais tecnologia

Freitag, 27. April 2018

Pater Amaro bereits 30 Tage unschuldig im Gefängnis


Das panamazonische kirchliche Netzwerk (REPAM-Brasil) organisierte am Freitag (27.4.) einen Gebetstag in Solidarität mit Pater Amaro Lopes. Damit soll die Öffentlichkeit erfahren, dass Pater Amaro Lopes bereits 30 Tage lang unrechtmäßig inhaftiert ist. Am 27. März ist er in Anapu aufgrund haarstäubender Anschuldigungen festgenommen worden. Weiters beklagt REPAM, dass Pastoral- und Menschenrechtsaktivisten in der Region zunehmend wegen ihres Engagements kriminalisiert und eingeschüchtert werden.

Ein Ansuchen um Freilassung des Priesters wurde letzte Woche von Richterin Vânia Lúcia Carvalho da Silveira vom Gerichtshof des Bundesstaates Pará abgelehnt. Aber es besteht die Möglichkeit, die Entscheidung anzufechten. Außerdem wurde Habeas Corpus beantragt, was noch nicht verhandelt wurde. Weiters prüfen die Rechtsanwälte der Prälatur und der Landpastoral (CPT) die Möglichkeit, den Fall vor den Obersten Gerichtshof (STJ) zu bringen.


Dom Joao Muniz mit den Mitarbeitern der Prälatur beim Gebet für P. Amaro

Das von REPAM vorgeschlagene Gebet:

Herr, Gott des Lebens, Vater der Armen!
Wir hören den Hilferuf vieler Gemeinden und Menschen ohne Dach, ohne Land und ohne Arbeit.
Oft fühlen wir uns machtlos, wir können Dein Reich nicht sehen, das unter uns sein soll.
Menschen, die versuchen, mit Deiner Hilfe das Leben zu verteidigen, werden kritisiert, verleumdet oder verfolgt.
Heute ist ein Monat vergangen, seit unser Bruder Amaro festgenommen wurde wegen Verbrechen, die er nicht begangen hat, und wegen seines Einsatzes für den Regenwald und für die kleinen Basisgemeinden in Anapu.
In Erinnerung an ihn erhebt sich unser Gebet aus allen Ecken Brasiliens. Schenke den Kleinen das verheißene Leben, den indigenen Völker das Recht auf ihr Land und mache Amazonien zu einem Garten, den wir schützen und pflegen wollen.
Dein Heiliger Geist erleuchte die Justiz, damit sie mit Weisheit ein Urteil fällt und unserem Bruder die Freiheit zurück gibt.
Schütze deine Diener, o Herr, und leite uns auf den Wegen des Friedens und der Gerechtigkeit.
Amen.



REPAM, 26.4.2018
REPAM articula dia de oração em solidariedade a Padre Amaro
A proposta é mobilizar a sociedade e dar visibilidade ao caso do sacerdote que há 30 dias foi injustamente encarcerado


Kooperation Brasilien, 3.5.2018
CPT-Kampagne "Queremos Padre Amaro Livre!”
Die Kommission Landpastoral (CPT) hat eine Kampagne zur Freilassung von Pater José Amaro Lopes vom CPT gestartet. Er sitzt seit dem 27. März unrechtmäßig in Haft.

Dienstag, 24. April 2018

Kirche ohne Priester



BR24, 23.4.2018
Verzichtet die Kirche auf den Zölibat?
Ausgerechnet am Ende der Erde könnte eine Revolution beginnen: Denn es gibt Anzeichen, dass die katholische Kirche bei Priestern im Amazonasgebiet das Gebot der Ehelosigkeit fallen lässt.

Das Amazonasgebiet in Brasilien ist riesig. Es gibt weite Wasserflächen, dazwischen einzelne Dörfer – fast abgeschnitten von der Außenwelt.
Ein Priester ist Tage unterwegs, bis er auf dem Fluss oder über schlammige Straßen zu einer seiner Gemeinden gelangt. Dazu kommt: 30 meist ältere Priester müssen 800 Gemeinden betreuen. Nachwuchs ist schwer zu finden. Deshalb werden viele Gemeinden im Amazonasgebiet von verheirateten Männern geleitet. Einer von ihnen ist Luis da Conceição aus der Gemeinde von San Pedro in der Diözese Xingú.

Verheiratete Männer leiten Gemeinden
"Wir dürfen die Gemeinde leiten, weil das Vatikanische Konzil uns die Möglichkeit dazu gegeben hat, aber wir dürfen keine Eucharistie feiern. Die Voraussetzung, um die Gemeinde zu leiten ist, dass man von der Gemeinschaft akzeptiert ist, die muss das wollen." Luis feiert Gottesdienste, segnet beispielsweise am Palmsonntag die Zweige, die die Gläubigen mitbringen. Nur die Eucharistie mit der Wandlung von Brot und Wein darf er nicht feiern. Bisher.

Denn es könnte eine Revolution geben. Für den Oktober 2019 hat Papst Franziskus in Rom eine Synode mit den Bischöfen der Diözesen am Amazonas einberufen. Erwin Kräutler, früher Bischof von Xingú, bereitet im Auftrag des Papstes die Synode vor. Und hat dabei ein klares Ziel: Den verpflichtenden Zölibat für Priester abzuschaffen – erst einmal im Amazonasgebiet:

"Wenn wirklich jemand da ist, der seit vielen Jahren der Gemeinde vorsteht und das mit viel Engagement und viel Mut und viel Hingabe getan hat, frage ich mich, warum können wir diese Leute nicht ordinieren, also ihnen die Weihe geben, damit sie am Sonntag der Eucharistiefeier vorstehen können. Von der Theologie her, glaube ich, ist absolut nichts dagegen einzuwenden."

Erwin Kräutler, ehemals Bischof im Amazonasgebiet
Doch welche Chancen hat der Vorstoß? Der aus Südamerika stammende Papst hat die Region jedenfalls weit mehr im Blick als seine Vorgänger. Und: Franziskus hat die Bischöfe des Amazonasgebietes ausdrücklich dazu aufgefordert, mutige Vorschläge zu machen. Das könnte die Weihe von Gemeindeleitern, im Kirchenlatein "Viri probati“, bewährte Männer, einschließen.

Widerstand aus konservativen Kreisen
In der Kirche in Deutschland kann sich die Mehrheit der Bischöfe längst vorstellen, auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Doch es gibt Widerstand aus konservativen Kreisen – zum Beispiel von Kardinal Gerhard Ludwig Müller: "Jetzt zu meinen, durch die viri probati könnte man den Priestermangel im Amazonasgebiet oder bei uns in Europa lösen, das ist, glaube ich, doch eine sehr vordergründige Einstellung, ich würde sagen, ein Kurieren an Symptomen."
Müller hegt grundsätzliches Misstrauen gegen die Einberufung der Amazonien-Synode durch den Papst, kann sich vorstellen, dass das Ergebnis schon feststeht und die Lockerung des verpflichtenden Zölibats kommt. Und befürchtet einen Dominoeffekt: Wenn der Zölibat erst einmal gelockert ist, dann könnte er bald ganz fallen – und die Kirche spalten.

Doch was passiert, wenn sich die katholische Kirche nicht dafür öffnet? Wie kann eine Kirche ohne Priester dann aussehen? Diese Fragen dürfte sich auch Papst Franziskus stellen. Wie seine Antwort ausfällt, könnte sich bei der Synode im Oktober 2019 zeigen.

Über dieses Thema berichtete die ARD am 23.04.2018 in der Sendung: Kirche ohne Priester.